Messestadt Riem in Statistik und Realität
Die Messestadt, gilt statistisch gesehen, als Münchens ärmstes Viertel. Von den rund 10 000 Einwohnern seien 1700 auf öffentliche Leistungen angewiesen. In der Messestadt sind rund 70 Prozent öffentlich geförderte familienfreundliche Wohnungen, also eine politisch gewollte „Ansammlung“ von einkommensschwachen Familien. Die Ausstattung mit sozialen Einrichtungen liege dort aber auch „weit über der in ähnlichen Vierteln“.
Die Vertreter der Einrichtungen sind sich einig und fordern mehr Ehrenamt und Nachbarschaftshilfe um die Schwächen der Messestadt auszugleichen. Die Betroffenen fordern auch weniger Bürokratie in den Ämtern – und endlich einen zweiten Supermarkt.
In der Messestadt habe er zum ersten Mal in seiner Karriere „wirklich arme Kinder“ kennengelernt, berichtete der Konrektor der Hauptschule, Klaus Petri. Ohne die Schulsozialarbeit könne er seine Aufgabe kaum erfüllen. Dorothe Kerkhoff, Beratungslehrerin an der Grundschule Lehrer-Wirth-Straße, erzählte von Schülern, denen zwei Euro für einen Ausflug zu viel seien, die keine Turnschuhe haben oder das Kopiergeld in Raten zahlen müssen.
Von den 6186 erwerbsfähigen Messestädtern, sagte Graffe, seien 374 arbeitslos, rund 600 der 3000 Kinder lebten in Familien, die von öffentlicher Hilfe abhängig sind. Der städtische Armutsbericht täusche über diese Not hinweg, denn die Messestadt gehört in Statistiken zum reichen Bezirk Trudering.
Der Aufbau eines „Tischs Messestadt“ nach dem Vorbild der Münchner Tafel ist für die Ärmsten in Planung. Auch die Lernpaten an der Lehrer-Wirth-Schule, meist Senioren aus Trudering, wurden sehr gelobt: Armut werde am besten durch Bildung verhindert. Eingeladen waren auch Vertreter der Riem Arcaden und anderer potentieller Lehrherren oder Arbeitgeber aus dem Gewerbegebiet. Sie hören jedoch nur zu.
109 Nationen leben in der Messestadt, 58 Prozent der Bewohner haben laut Fred Langer, Leiter des Sozialbürgerhauses Berg am Laim-Trudering-Riem, einen Migrationshintergrund. Immer häufiger müsse er für elementare Dinge wie ein Bett auf Stiftungsmittel zurückgreifen.
Nicht nur die Defizite, sondern die Vorzüge des jungen Viertels ins rechte Licht zu rücken ist den Anwohner wichtig. Heinz Dieter Stapf, der Kontaktbeamte der Polizei, erklärte die Messestadt zum sicheren Quartier mit großem Konfliktlösungspotential: „Alle Achtung.“ Die routinemäßige Extra-Streife Tag und Nacht werde nur eingesetzt, damit das auch so bleibe. Lehrerin Kerkhoff freut sich, dass Neue in ihren Klassen schnell integriert werden und Unterrichtseinheiten über Rassismus hier völlig überflüssig seien.
Ezzittine Belgacem vom Muslimischen Forum Messestadt warb dafür, den Kindern ein Vorbild zu sein: Jeder solle im eigenen Haus schauen, wo Hilfe nötig sei. „Ich liebe diesen Stadtteil“, bekannte er. Professor Egon Endres von der Stiftungsfachhochschule erklärte, er beneide die Messestadt um ihre Lebendigkeit und ihr Potential. Gerne werde er helfen, dies noch systematischer zu bündeln.
Auch unsere Seite möchte einen Beitrag leisten dieses junge Viertel besser zu machen und über die Defizite berichten wie Vorteile aufzeigen und mit unserer geplanten Messestadt Flohmarkt und Tauschbörse, wie der Darstellung der Wirtschaft außerhalb der Riem Arcaden und Berichten aus der Messestadt.
Schreiben Sie uns Ihre Anliegen und Beobachtungen natürlich (am liebsten) auch die Positiven an: grundgesetzinfo@dieganzekunst.de
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